Schatzsucher Literatur Nugget

Wert von Sondengängerfunden

Von seiten der Amtsarchäologie wird gerne behauptet, dass Sondengänger vorwiegend aus materiellen Motiven suchen. Damit soll ein schöner Kontrast zu den angeblich nur an der Erkenntnis interessierten Archäologen konstruiert werden. Das eine ist in seiner Pauschalität so falsch wie das andere. Hier nun ein paar Fakten.

99% aller Sondengängerfunde haben keinerlei materiellen Wert. Die Tagesausbeute des Durchschnittstages ist in den Augen von Nichtsondengängern meist geradezu mitleiderregend, eine Handvoll schmutziger Schrott. Die Enttäuschung in den Augen der Ehefrau/Freundin entspricht dem, was der vorgeschichtliche Jäger sah, wenn er nach mehreren Tagen Abwesenheit mit einem mageren Kaninchen zur der Strohhütte zurückkam. Ein zeitloses Erlebnis, mit dem alle Jäger und Sammler vertraut sind.

Zurück in die Jetztzeit. Wenn tatsächlich mal etwas gefunden wird, so liegt der Wert meist unter den Benzinkosten für die Anfahrt. Ja, es gibt Sondengänger, die sehr seltene und entsprechend wertvolle Funde gemacht haben. Ja, das inspiriert den Rest so wie Lottospieler von den glücklichen Gewinnern inspiriert werden. Aber es sind absolute Ausnahmefälle, die nicht zur Basis von gesetzlichen Regelungen oder der Genehmigungsvergabe gemacht werden dürften.

Sucher mit Spitzenfunden machen nur einen winzigen Teil der Sucherschaft aus, suchen meist seit Jahrzehnten, und kennen auch lange Durststrecken. Genau wie bei jeder anderen Suche durch Privatleute, z.B. das gut dokumentierte, traditionsreiche Mineraliensammeln in den Alpen, wird mit der Suche weit mehr Geld ausgegeben als eingenommen, wenn man die investierte Zeit berücksichtigt. Falls überhaupt verkauft wird, was meistens aus ideellen Gründen nicht der Fall ist.

Wer kostengünstig an Artefakte herankommen will, kauft sie sich bei Ebay. Das ist viel ökonomischer, als selber zu suchen. Leute, die suchen um reich zu werden, geben es in Deutschland nach 5 oder 10 Suchtagen wieder auf.

Jede Tätigkeit in einem Schnellrestaurant ist lukrativer. Die Suche ist sehr zeitintensiv, nicht kapitalintensiv und kann weitaus ökonomischer in Niedriglohnländern durchgeführt werden. Es ergibt wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn in Deutschland z.B. nach römischen Artefakten zu suchen. Große Teile des ehemaligen römischen Reiches liegen heute in Südosteuropa oder Nordafrika, wo die Suchstunde wesentlich billiger ist. Viele auf dem deutschen Markt angebotene Artefakte stammen dann auch aus Südosteuropa.

Die allermeisten in Deutschland gemachten Funde haben keinen finanziellen Wert. Das wissen die Archäologen auch selber ganz genau; wenn nicht, sollten sie mal ihre eigenen amtlichen Grabungsberichte lesen. Der weitaus größte Teil der dort aufgeführten Metallfunde sind bis zur Unkenntlichkeit korrodierte eiserne Kleinteile. Ein paar bronzene Kleinteile kommen hinzu. Ganz selten eine Silbermünze. Gold kommt so gut wie nie vor. Diese Metallfunde werden ergänzt von sehr vielen Keramikscherben. Das sind, wohlgemerkt, Suchergebnisse von archäologisch hochkarätigen Orten. Wenn jemand ernsthaft glaubt, auf der Durchschnittswiese oder im Durchschnittswald sei „mehr zu holen“, so möge er es doch mal probieren.

Marktpreise von Artefakten

Wieviel sind Artefakte tatsächlich wert?

Als Beitrag zur Versachlichung der Diskussion nachfolgend einige Marktpreise (Verhandlungsbasis) von Artefakten, die mir auf der Münchener Münzmesse Numismata im März 2007 genannt wurden. Nur ein sehr kleiner Teil der Verkäufer bot Artefakte an. Die angebotenen Funde stammten vorwiegend aus Südosteuropa.

Anmerkung: Die meisten Sondengänger wären froh, einmal im Leben z.B. ein bronzezeitliches Beil zu finden. Wert: 200 Euro. Ich selber habe nach 7 Jahren Suche noch nie einen sicher in die Bronzezeit zu datierenden Gegenstand gefunden.

Aufgelistet sind wohlgemerkt die Verhandlungsbasen für den Endkäufer. Der Preis, den der Sondengänger vom Händler erhält, wird wohl max. 50% betragen. Wer, wie die Amtsarchäologen, angesichts dieser Minimalsummen allgemein von „primär finanziell motivierten Sondengängern“ spricht, ignoriert die Realität.

Die Liste umfasst alle mir genannten Preise. Die Mehrheit der angebotenen Artefakte stammte aus Südosteuropa.

Eine junge Verkäuferin von Artefakten sagte, dass die Sondengänger meist wenig fänden, aber hin und wieder doch etwas Ungewöhnliches. Die meisten könnten wohl nicht davon leben, einige aber schon. Anmerkung: Als Ankäuferin hat sie naturgemäß primär mit den wenigen Sondengängern zu tun, die ihre Funde verkaufen, nicht mit dem Durchschnittssondengänger.

Preislich relevant wird es erst in anderen Qualitätskategorien, mit Herkunftsländern im Nahen Osten. Bei den nachfolgenden Stücken ist nicht bekannt, ob sie mit Metallsonden gefunden wurden: Kleiner Bronzehirsch aus Luristan, 2200 Euro . Bronzehelm, erinnerte optisch an „Troja“ mit Brad Pitt, 500 BC, Naher Osten, 9500 Euro

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de