Sondengänger außerhalbs Deutschland
In anderen Ländern ist die Haltung der Behörden ebenfalls höchst unterschiedlich. So gibt es z.B. in der Türkei und in Ägypten sowie im Nahen Osten zwar strenge Gesetze gegen illegalen Export, die jedoch offenbar erfolgreich umgangen werden können, wie die Kataloge der großen Auktionshäuser belegen. Immerhin schafft es die türkische Justiz, hin und wieder einen deutschen Touristen wegen einer gekauften antiken Münze monatelang einzukerkern.
England
In Europa gibt es die meisten Sondengänger wohl in England. 1996 trat hier ein neues Gesetz in Kraft. Funde sind binnen 14 Tagen zu melden. Danach wird geprüft, ob es sich um einen Schatz im Sinne des Gesetzes handelt. Ist das der Fall, so erhält der Finder ein Kaufangebot durch eine staatliche Kommission. Die Preise liegen meist am untersten Rand der Marktpreise. Er steht unter starkem Druck an den Staat zu verkaufen. Wird der Preis akzeptiert, so teilen sich Finder und Grundeigentümer den Erlös zu 50%. Fundverheimlichung wird relativ streng bestraft.
Die Suche auf archäologischen Stätten wird sehr, sehr weitgehend gestattet, während die deutschen Behörden bemüht sind, möglichst viel als Kulturdenkmal auszuweisen, auf dem die Suche leider versagt werden muss.
Im Gegensatz zu anderen Suchern bin ich keineswegs der Meinung, dass die englische Gesamtsituation aus Suchersicht geradezu ideal ist. Sie ist sicher viel besser ist als die deutsche, da sie auf die in den meisten deutschen Bundesländern übliche ersatzlose Konfiszierung (so genanntes Schatzregal) der Funde verzichtet. Dennoch: die meisten Sucher wollen Funde nicht zu 100% des Marktwertes verkaufen, erst recht nicht für 50%. Der ideelle Wert ist zu hoch. Aber das englische Modell bietet die klaren Vorteile, dass a) das Suchen auf archäologischen Denkmälern extrem weitgehend gestattet ist und b) dass der erfolgreiche Finder ohne eigenes Zutun davon ausgehen darf, nach der Meldung weitgehend fair behandelt zu werden, wenn man von den Mindestpreisen absieht. Wenn der Grundeigentümer sich querstellt, was auch in England häufig vorkommt, dann muss nicht der Sucher um seinen 50% Anteil kämpfen, das erledigt ein staatlicher Automatismus routiniert und erfolgreich. Der Sucher muss sich „nur“ noch mit der Bewertungskommission herumschlagen und versuchen, durch Ablehnung von zu niedrigen Erstangeboten eine Nachbesserung zu erzielen. Ob der Sucher letztendlich zum Verkauf gezwungen werden kann, weiß ich nicht, der Druck ist jedoch sehr massiv und in der Regel wird verkauft.
Diese relativ faire englische Gesetzgebung, die dem Sucher im Gegensatz zu Deutschland auch Anreize zur Fundmeldung liefert, hat gemeinsam mit der recht großen Anzahl von Suchern in England zu öffentlich bekannt gewordenen Funden in einer Qualität und Quantität geführt, die man noch in den 1970er Jahren für unmöglich gehalten hätte. [4]
Interessant ist die Entwicklung hin zu der heutigen Situation in England. Noch vor 30 Jahren standen dort Archäologen den Sondengängern sehr negativ gegenüber und der eine oder andere Sondengänger befürchtete sogar, dass das Hobby ganz verboten werden könnte. Das heute die Situation ganz anders ist, ist weniger der Überzeugungsarbeit bei den Archäologen zu verdanken, sondern vielmehr der Tatsache, dass die Sondengänger eine Interessenvereinigung gründeten und für ihre Sache eintraten. Siehe dazu auch den Abschnitt „Sondengängerorganisationen“ .
Zu einem aktuellen, spektakulären Fall in England siehe unten den Nachtrag 26.9.09 .
Dänemark
Auch in Dänemark sieht die Lage anders aus. Interessanterweise sind die Artikel in der Fachzeitschrift „Archäologie in Deutschland“, die sich auf die Sondengängersituation außerhalb Deutschlands beziehen, in einem sehr viel sondengängerfreundlicheren Tenor geschrieben, als Berichte über deutsche Sondengänger.
“[Auf Bornholm gefundene Wikingermünzschätze sind] das Resultat einer Zusammenarbeit des dortigen Museums mit Amateurarchäologen, die mit Metallsonden auf die Suche gehen. So gelingen Jahr für Jahr 3 bis 4 wertvolle Funde.“[1]
Aus “Gold, Macht und Glaube”
„Ergiebige Zusammenarbeit mit Amateuren
Unterdessen hat die Metallsonde eine Revolution in der dänischen Archäologie verursacht. Um 1980 erfuhren diese Geräte unter Amateurarchäologen so weite Verbreitung, dass die dänischen Museen eine intensive Zusammenarbeit einzuleiten beschlossen. Seitdem ergießt sich ein wahrer Strom hervorragender Funde ins Nationalmuseum, das für die Registrierung von Schatzfunden in Dänemark verantwortlich ist.“[2]
Frankreich
In Frankreich gibt es die Sondengängervereinigung FNUDEM.
Der 1. Weltkrieg ist für die Franzosen immer noch ein sehr sensibles Thema. Die Schlachtfelder, insbesondere die der Somme-Schlacht sowie der Kämpfe um Verdun, haben gewissermaßen den Status von Friedhöfen. Eine Suche dort wird mithin als Entweihung derselben angesehen. Nach unbestätigten Berichten kann die ungenehmigte Suche dort den Verlust des Detektors sowie die Einleitung eines Verfahrens nach sich ziehen.
Andererseits arbeiten die französischen Archäologen mit qualifizierten Sondengänger zusammen und lassen sie den ehemaligen Kampfzonen Prospektionen mit dem Metalldetektor durchführen. Grundvoraussetzung ist hier natürlich eine wissenschaftliche Arbeitsweise.
Übersee
Besonders viele Sondengänger gibt es in den USA. In den meisten Bundesstaaten begann die Metallzeit erst mit Ankunft des Weißen Mannes. Eine Ausnahme ist die auf nativem Kupfer basierende „Copper Culture“ in den Grenzstaaten zu Kanada im Bereich der Großen Seen.
Wenn die allermeisten Funde also folglich „nur“ neuzeitlich sind, so können sie doch weitaus seltener, aufregender und wertvoller sein als europäische Funde dieses Alters. Beispiele dafür sind Münzfunde wie eine in nur wenigen Exemplaren bekannte Goldmünze aus dem Kalifornien des 19. Jhd. sowie die seltenen, ersten in den noch jungen Kolonien geprägten Münzen der Ostküste wie der „Oak Tree Shilling“ aus dem 17. Jhd. [3].
Eine weitere Besonderheit ist die in Europa unbekannte Suche nach nativem Gold in den Weststaaten der USA, die mit speziellen Golddetektoren durchgeführt wird. Diese arbeiten mit einer besonders hohen Frequenz (um 15 kHz), um auch kleinste Goldteilchen entdecken zu können. Auch in Australien lieferte diese Art der Suche bereits spektakuläre Funde.
Nachtrag 26.9.09
Am 24.9.09, ging folgende Meldung durch die Weltpresse: "Riesiger Goldschatz in England gefunden - Der Sondengänger Terry Herbert findet den bisher größten Goldschatz aus angelsächsischer Zeit." Weitere Einzelheiten siehe Fundtabelle im Artikel über sensationelle Privatfunde.
Nachtrag 4.2.10
Absatz Frankreich hinzugefügt.
Quellen und Anmerkungen
[1] Archäologie in Deutschland, 1/98, S.68
[2] Archäologie in Deutschland 2/98, S.56
[3] http://www.thetreasuredepot.com/cgi-bin/relic/relic_config.pl?noframes;read=175420
[4] Die englischen Funde werden über eine Datenbank, online erreichbar unter http://www.finds.org.uk/ , kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im September 2007 enthielt dieses Datenbank fast 300.000 Objekte. Davon wurden alleine 60.000 seit dem 1.1.2007 eingetragen.
(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de