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Rechtslage von Sondengängern in Deutschland

Sondengänger VOR Justizvollzugsanstalt

Inhalt

Abkürzungen

BD: Bodendenkmal
BLFD: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
DSchG: Denkmalschutzgesetz
LDA: Landesdenkmalsamt

Einführung



Ich bin kein Jurist. Dies ist keine Rechtsberatung, sondern lediglich eine Darlegung meiner privaten Rechtsauffassung. Jegliche Gewährleistung ist ausgeschlossen.




„Rechtsbrecher wollte niemand sein. Rechtsausleger, Rechtsbeuger waren sie alle.“
Golo Mann, Wallenstein


Das obige Zitat kommt mir stets in den Sinn, wenn ich juristische Äußerungen der meisten Amtsarchäologen zum Denkmalschutzrecht lese. Oder die Argumentation von staatlichen Grundbesitzern in Rechtsstreitigkeiten über das Eigentumsrecht an gefundenen Schätzen verfolge. Dieser Artikel wird das weiter ausführen.

Vorweg: Für den Sondengänger ist die Rechtslage in Deutschland in weiten Bereichen günstig. Jeder darf in Deutschland genehmigungsfrei einen Metalldetektor besitzen und benutzen, wenn auch mit den nachfolgend beschriebenen Einschränkungen. Schatzfunde sind sogar steuerfrei. Die Wahrscheinlichkeit, als Sondengänger rechtlichen oder sonstigen Ärger zu bekommen ist minimal, wenn man sich halbwegs vernünftig verhält. Damit ist gemeint, dass man seinem gesunden Menschenverstand folgt, keinerlei Schäden anrichtet, seine Löcher wieder auffüllt und nicht gerade das größte archäologische Heiligtum seines Landkreises ausgräbt.

Eine Suchgenehmigung nach dem Denkmalschutzgesetz - wohl DAS Dauerthema in Sondengängerkreisen - zu haben ist meist nicht erforderlich, denn die ist nur für sogenannte Bodendenkmäler (mehr dazu im Abschnitt "Denkmalschutzrecht") notwendig. Glücklicherweise, denn sie wird oft verweigert. In Bayern übrigens pauschal, d.h. jedermann gegenüber und auch außerhalb von Bodendenkmälern und somit ohne Rechtsgrundlage. Wo sie anderswo in Deutschland erteilt wird, so meist nur für Flächen, auf denen man ohnehin keine bräuchte. Das hat ideologische Gründe (LDAs betrachten Geschichte als ihr eifersüchtig gehütetes Hoheitsgebiet) und führt dazu, dass solche Genehmigungen hauptsächlich psychologische Relevanz haben.

Ich kenne niemanden persönlich, der trotz genehmigungsloser Suche jemals einen Bußgeldbescheid erhalten hätte, und in meinem Bekanntenkreis sind Sucher mit 30 Jahren Sucherfahrung. Ich selber wurde in seit Beginn meiner Suchtätigkeit im Jahr 2000 nur ein einziges Mal - von einem Passanten - nach einer Genehmigung gefragt. Und zwar gleich an einem der ersten Suchtage. Damals wurden in Bayern noch Genehmigungen ausgestellt und ich hatte auch eine.

Selbst wenn ein juristisches Fehlverhalten eines Sondengängers vorliegen sollte, so sind für die Strafverfolgung Informationen nötig, die zunächst meist nur der Sondengänger selber besitzt, wenn er nicht gerade in flagranti ertappt wird. Daher ist es umso unverständlicher, wenn LDAs im Umgang mit Sondengängern (und Grundeigentümern und Sammlern und Zufallsfindern, also mit praktisch allen relevanten Personengruppen) auf Konfrontation mit der rechtlichen Knute statt auf Konsens oder zumindest einen Modus Vivendi setzen.

Das Problem betrifft die Archäologie weltweit, und zwar umso mehr, je strenger die Gesetze sind. Das Schlimmste, was der Archäologie eines Landes passieren kann, ist, wenn der Gesetzgeber allzu ungeprüft den praxisfernen, ausschließlich an akademischen Überlegungen orientierten Gesetzesvorschlägen der Archäologen zustimmt. Denn diese schütten meist das Kind mit dem Bade aus. Es kommt zur Konfrontation mit allen relevanten Teilen der Bevölkerung (Zufallsfinder, Grundeigentümer, Sammler und eben Sucher) und die schadet der Archäologie meist mehr als der ursprünglich anvisierte Missstand. Obwohl in Deutschland in dieser Hinsicht schon eine Menge Schaden angerichtet wurde (Stichwort "Schatzregal") , halten sich die rechtlichen Behinderungen des durchschnittlichen, privaten Geschichtsfreundes mit Metallsonde doch in Grenzen. Dennoch sollte jeder die für sein Bundesland geltenden Gesetze genau kennen. Soviel als Vorbemerkung.

Der Sondengänger kann, je nachdem, wo er was sucht und findet, mit verschiedenen Gesetzen zu tun haben. Nach praktischer Relevanz geordnet sind das vor allem das Waffengesetz (WaffG) , das Eigentumsrecht (Teil des BGB) , das Denkmalschutzgesetz (DSchG) und das Urheberrecht.

Waffenrecht

Charakteristisch für das Waffenrecht in Zusammenhang mit Bodenfunden ist, dass es mit dem gesunden Menschenverstand wenig zu tun hat, denn es behandelt funktionsunfähigen Waffenschrott wie funktionsfähige Waffen. Das sollte man zunächst akzeptieren, sonst ärgert man sich unnötig.

Das Waffenrecht wird dann relevant, wenn ein Sucher Waffen, Waffenteile oder Munition findet. Das passiert in Deutschland recht häufig, insbesondere dort, wo für viele Soldaten der Krieg zu Ende ging. Also z.B. Bayern. Bitte auch den Artikel „Fundmunition“ beachten.

Nach mehr als 6 Jahrzehnten im Erdboden sind Schusswaffen, die übrigens machmal geladen vergraben wurden, in aller Regel nicht mehr schussfähig, sondern nur noch Waffenschrott. Aber auch dieser kann eine Waffe im Sinne des Waffengesetzes sein. Nach meiner Erfahrung ist das bei Langwaffen meist der Fall, bei Kurzwaffen meist nicht. Wer solche Funde also ohne jedes rechtliche Risiko behalten will, benötigt entweder die Bescheinigung eines offiziellen Waffensachverständigen (z.B. des Beschussamtes München), wonach der Fund seine Waffeneigenschaft im Sinne des WaffG verloren hat oder er lässt ihn durch einen Büchsenmacher schussunfähig machen [6].

Nur ein winziger Bruchteil der deutschen Sondengänger musste jemals eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen. Hier jedoch erwies sich Waffenschrott oft als juristisch gefährlicher als ausgegrabene Relikte. Oft nahmen die Ermittler zwar Kisten mit Artefakten mit, mussten diese aber nach Einstellung des Verfahrens wieder an den Sucher zurückgeben, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass und wo er sie ergraben hat. Beim gammeligen Karabiner 98 hingegen reichte der Besitz aus, um einen (kleinen) Verstoß gegen das WaffG nachweisen zu können. Rechtlich noch mal deutlich unangenehmer als Verstöße gegen das WaffG sind Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG). Dazu gehören luftgekühlte MGs aus dem 2. Weltkrieg, nicht mehr jedoch Maschinenpistolen aus dem 2. Weltkrieg. Wesentliche Waffenteile, wie z.B. den Lauf, darf man genauso wenig besitzen wie die komplette Waffe.

Sowohl das WaffG als auch das KWKG sehen ausdrücklich den Fall vor, dass ein Bürger durch Fund die tatsächliche Verfügungsgewalt über eine Waffe erlangt, dieses den Behörden meldet, den Fund von einem Büchsenmacher unbrauchbar machen lässt und also behalten darf. Soweit ist die Rechtslage für den Sondengänger durchaus günstig.

Allerdings kann das bei Waffen nach KWKG so bürokratisch (=teuer) sein, dass man sich dafür gleich ein delaboriertes MG kaufen könnte, die für ca. 700 Euro im Internetversandhandel angeboten werden.

Man selber darf an Waffen nicht manipulieren, auch dann nicht, wenn man sie dadurch noch funktionsunfähiger macht als es die Korrosion ohnehin schon getan hat. Formaljuristisch heißt das „Herstellen einer Waffe“ und das dürfen eben nur speziell autorisierte Personen. Verstöße gegen das WaffG und KWKG sind Straftaten.


Militärische Funde aus dem 2. Weltkrieg Sondengängerfunde: Deutsche 88mm Hülse, italienisches Carcano Bajonett, Deutsche MP40, Carcano Gewehr 6.5mm, K98k Munitionstasche, Transportgestell 88mm Granaten, leere Eierhandgranate.

Eigentumsrecht

Für das Verständnis von Fragen des Eigentums an Bodenfunden ist die Kenntnis des Begriffes „Schatzregal“ unerlässlich. Leser, die damit nicht vertraut sind, mögen bitte zuerst den Artikel „Schatzregal“ lesen, ehe sie sich dem Nachfolgenden zuwenden.

Verstöße gegen das Eigentumsrecht, also Fundunterschlagungen, sind Straftaten. Das gilt für alle Bundesländer, egal, ob mit oder ohne Schatzregal.

Das Eigentumsrecht wird zumindest in Bundesländern ohne Schatzregal erst relevant, wenn Funde auch etwas wert sind. Niemand wird wegen eines nicht gemeldeten Hufeisenfundes verklagt. 99.99% der Sondengängerfunde haben keinen nennenswerten materiellen Wert. Ähnlich wie für Archäologen gilt für Sondengänger, dass sie nur genau solange in Ruhe suchen können, solange sie nichts Aufregendes finden... .

Wenn aber ausnahmsweise doch etwas materiell Wertvolles gefunden wird, so ist die erste Frage, ob es sich um eine verloren Sache oder um einen Schatz handelt. Der Hauptunterschied ist der, dass die Eigentümer von verlorenen Sachen bekannt bzw. ermittelbar sind, die von Schätzen jedoch nicht mehr.

An verlorenen Sachen erwirbt der Finder kein Eigentum. Er muss sie an den Eigentümer zurückgeben und hat Anrecht auf Finderlohn nach BGB, also etwa 3%. Kennt er den Eigentümer nicht, so muss er den Fund beim Fundbüro abgeben. Meldet sich nach 6 Monaten der Eigentümer nicht, was meist der Fall ist, so ist der Finder ab dann der neue alleinige Eigentümer. Auf diese Weise wurde ich stolzer Eigentümer dieses Schmuckstücks. Leider trage ich keine Ohrclips.

Ohrclip mit Brilliant, 18 Kt. Gold

Schatzfunde

Kommen wir nun zu Schatzfunden, also z.B. einen Münzschatz. Historische Artefakte fallen schon aufgrund ihres Alters meist in diese Kategorie, d.h. der rechtmäßige Eigentümer oder sein Rechtsnachfolger/Erbe ist nicht mehr ermittelbar.

In Bundesländern mit Schatzregal überlappen sich Denkmalschutzrecht und Eigentumsrecht, da die dort geltenden Denkmalschutzgesetze einen Paragraphen enthalten, das sog. Schatzregal, der das Eigentumsrecht am Fund regelt. Deswegen wird die eigentumsrechtliche Situation für Länder mit Schatzregal weiter unten gemeinsam mit dem Denkmalschutzrecht besprochen.

In Ländern ohne Schatzregal bildet Paragraph §984 BGB die alleinige eigentumsrechtliche Grundlage für Schatzfunde. Das Denkmalschutzgesetz spielt hier für die Eigentumsfrage keine Rolle.

§984 BGB lautet

Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war.

Im Grunde also eine 50/50 Teilung zwischen Finder und Grundeigentümer. Es bleibt die Frage, wie der Passus „…und infolge der Entdeckung in Besitz genommen…“ zu verstehen ist: muss der Finder eines Artefaktes dieses auch tatsächlich ausgraben (und so möglicherweise Befunde zerstören) um seinen hälftigen Eigentumsanspruch zu wahren?

Theoretisch nicht. So urteilte der 11. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf im Urteil mit Az.: 11 U 5 8/92: Werden Denkmalschutzbehörden zu einem entdeckten Bodendenkmal gerufen und werden sie dort tätig, so steht ihnen der Entdeckeranteil für den restlichen Teil des Schatzes nicht zu. [5]

Dennoch: Irgendeine restriktive Auswirkung wird diese zusätzliche Bedingung für den Eigentumserwerb schon haben, sonst hätte man sie auch weglassen können. In einem aktuellen Fall aus 2007 bestreitet das BLFD den Eigentumsanspruch einer Entdeckerin mit dem Hinweis, sie habe nicht gegraben. (Siehe dazu "Sondengänger mit Metalldetektor, Quelle [3]"). So scheint es, dass ein Sucher, um seinen 50% Anteil zu sichern, die Funde auch tatsächlich ausgraben muss. Aus archäologischer Sicht ist das widersinnig, weil so Befunde gestört werden können. Dem Finder allerdings kommt ein sofortiges Ausgraben sehr entgegen, da er sonst bis zur Bergung ohnehin kein Auge mehr zumacht.

In Bundesländern ohne Schatzregal gehören Schatzfunde nach §984 BGB also zu je 50% dem Finder und dem Grundeigentümer. Der Sucher ist also nie alleiniger Eigentümer, es sei denn, er sucht auf eigenem Grund. Das hat schon Leute veranlasst, einen falschen Fundort auf eigenem Land oder dem Grundstück eines Freundes anzugeben. Aufgrund moderner Verfahren fliegen solche Betrugsversuche meist auf. Glücklicherweise, denn wenn der Fundort falsch ist, werden leicht auch die aus dem Fund gezogenen Schlüsse falsch. Falsche Fundortangaben sind archäologische Brunnenvergiftung. So etwas ist vollständig abzulehnen.

Der Schatzfinder sieht sich unerwartet in einer Eigentumsgemeinschaft mit dem Grundeigentümer, den er häufig nicht kennt. Je wertvoller der Fund desto heikler die Situation, insbesondere wenn der Eigentümer kein Mensch, sondern eine juristische Person ist. „Geld erzeugt Gier“ lautet die alte Schatzsucherweisheit. Wie wird der Grundeigentümer reagieren, wenn man ihm den Fund mitteilt, wozu man als Finder verpflichtet ist? Siehe dazu auch „Interessengruppen: Dinge aus Sicht der Sondengänger“ und „Dinge aus der Sicht des Grundeigentümers“ . Siehe auch "Gebrauchsanweisung für Schatzsucher".

Für die Strafverfolgung bei Fundverheimlichung ist es notwendig den Geschädigten zu kennen, also das Bundesland in Schatzregalländern und den Grundeigentümer in den Nichtschatzregalländern. Ohne Geschädigten keinen Kläger, ohne Kläger keinen Richter.



Denkmalschutzrecht

Das Denkmalschutzrecht ist für den Sondengänger in zweierlei Hinsicht relevant. Erstens erfordert die Suche nach/auf Bodendenkmälern (archäologisch besonders wichtiges Areal; das Graben dort ist nach Denkmalschutzgesetz DSchG erlaubnispflichtig) in allen deutschen Bundesländern eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörden, die meist verweigert wird. Zweitens, und das ist in der Praxis wesentlich relevanter, begründet das Denkmalschutzgesetz in den Schatzregalländern das alleinige Eigentum des Bundeslandes an historisch wertvollen Funden. Der Finder geht dort leer aus. Nachfolgend werden beide Aspekte näher besprochen.

Das Denkmalschutzrecht besagt, dass die Suche bzw das Graben nach sog. Bodendenkmälern der Erlaubnis bedarf. In der Praxis wird diese fast immer verweigert, so dass die meisten Sondengänger gar nicht erst versuchen eine zu erhalten. Sondern sich auf Flächen konzentrieren, wo sie bei jeder halbwegs normalen Interpretation der Gesetze keine brauchen, eben außerhalb eingetragener Bodendenkmäler.

Was ist überhaupt ein Bodendenkmal? Das charakteristische Merkmal aller Denkmalschutzgesetze (DSchG) sind vage Formulierungen, was denn überhaupt ein Bodendenkmal bzw. welche Aktivität genehmigungspflichtig ist und unter welchen Bedingungen Funde in Schatzregalländern Eigentum des Bundeslandes werden. Siehe dazu auch den Artikel „Bodendenkmäler“ .

Diese Unklarheit wird von den Behörden nach Kräften gefördert, damit möglichst viele eine Genehmigung beantragen oder die Suche ganz bleiben lassen. Eben aufgrund dieser Unklarheit ist es so wichtig, stets zwischen der Rechtslage - an die auch die Behörde bei Bußgeldbescheiden gebunden ist, siehe unten - und der Interpretation der Rechtslage durch die Behörden zu unterscheiden.

Denkmalschutz hat mit Kultur zu tun und Kultur ist Ländersache. Ergo gibt es für jedes Bundesland in Deutschland ein eigenes DSchG. Hier soll nicht jedes einzelne von 16 Gesetzen analysiert, sondern die Hauptfakten aufgezählt werden. Jeder Sondengänger sollte sich genau das für ihn geltende DSchG durchlesen, schon deswegen, weil die Rechtslage durch die Amtsarchäologie und ihr nahe stehende Kreise gerne übertrieben streng dargestellt wird. Das dient natürlich der Abschreckung. Oft getätigte Aussagen wie „Im Bundesland XY muss man für eine Detektorsuche auf jeden Fall eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörden haben“ oder „die Suche im Wald ist verboten“ sind – in dieser Pauschalität – sachlich stets falsch und das Ergebnis extremer Interpretationen der eher vagen Denkmalschutzgesetze durch die Amtsarchäologie [7]. Tatsächlich braucht die Suche auf 99.99% der deutschen Fläche - eben abseits der Bodendenkmäler - bei einer halbwegs gemäßigten Interpretation der Gesetze keine Genehmigung der Denkmalschutzbehörden.
Dies ist den Amtsarchäologen unangenehm und darum propagieren sie gegenteilige Rechtsauffasungen. Das Standardverfahren im Umgang mit juristisch Ungeübten (wie dem Durchschnittssondengänger) ist die Einschüchterung mit eben solchen extremen Interpretationen. Man behauptet einfach, eine Sache, die man nicht will und die juristisch unklar geregelt ist, sei verboten und hofft, dass die Gegenseite sich schlecht genug auskennt, um das zumindest für möglich zu halten. Daher muss man die Gesetze kennen. In der Praxis wurden in jedem mir bekannten Fall die extrem wenigen Bußgeldbescheide wegen ungenehmigter Suche nur für die Suche auf "eingetragenen" Bodendenkmälern verhängt. Das sind Flächen, die auf offiziellen Listen als archäologische Stätten geführt werden und eben nicht "alles, wo aus Archäologensicht etwas Intereressantes liegen könnte, also überall".

Es ist für die Behörden sehr einfach, anfragenden unwissenden Bürgern und Journalisten eine sehr restriktive Gesetzeslage zu suggerieren, wenn diese unpräzise Fragen stellen. Etwas schwieriger, aber immer noch machbar ist es für sie, Suchgenehmigungen gar nicht oder nur unter schwerwiegenden, teilweise grotesken Restriktionen auszustellen. Das kann zwar theoretisch vor einem Verwaltungsgericht angefochten werden, was jedoch in der Praxis fast nicht vorkommt (Ausnahme: "Mythos" Urteil in Hessen, siehe Artikel "Landesdenkmalsämter", Abschnitt Hessen).

Wesentlich vorsichtiger müssen die Behörden bei Bußgeldbescheiden sein. Denn hier ist die Gefahr einer gerichtlichen Überprüfung weitaus höher. Und die Verwaltungsgerichte sind außerhalb des Elfenbeinturms angesiedelt. In Deutschland sind Verwaltung und Justiz seit 100 Jahren getrennt. Sehr zum Kummer der Amtsarchäologen, für die die Gesetze "viel zu weich" sind. Sie sind eben wie die Sondengänger nur eine Interessengruppe, während die Gesetze das Gesamtwohl mehren sollen. Dafür sind sie sogar noch zu restriktiv, siehe Zusammenfassung und Kommentar .

Vage Gesetzesformulierungen werden von unterschiedlichen Interessengruppen natürlich immer unterschiedlich ausgelegt. Interessanterweise findet man die extremsten Auslegungen nicht bei den Sondengängern, sondern bei den Amtsarchäologen. Kein Sondengänger behauptet ernsthaft, er dürfe überall ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörden suchen. Diese wiederum behaupten jedoch häufig ernsthaft, man brauche überall in ihrem Zuständigkeitsgebiet eine Genehmigung.

Tatsächlich beweisen Amtsarchäologen bei der Interpretation der Gesetze eine Kreativität [8], die man den Beamten vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Ein Mitarbeiter einer unteren Denkmalschutzbehörde in Bayern argumentierte mir gegenüber „in ganz Bayern waren die Römer, also müssen Sie überall mit römischen Funden rechnen, also brauchen Sie überall eine Genehmigung von uns“. Das ist in dieser Pauschalität natürlich Unfug.

Man kann heute praktisch flächendeckend bei den LDAs den Versuch beobachten, ganz Deutschland zu einem Bodendenkmal zu erklären und die Suche dort folglich untersagen zu dürfen. [9]

Ursprünglich war es der – sinnvolle und unumstrittene - Gedanke des Gesetzgebers, archäologisch ganz besonders wichtige Areale, und nur diese, zu schützen. Sonst hätte er sich die gewundenen Definitionen des Begriffes ‚Bodendenkmal’ in den verschiedenen Denkmalschutzgesetzen gleich sparen können und schreiben „Das Suchen mit dem Metalldetektor ist erlaubnispflichtig“. Das hat er aber nicht. In keinem Gesetz. In keinem Bundesland.

Die LDAs legen den vagen Begriff des Bodendenkmals möglichst weit aus, versuchen so aus der Ausnahme die Regel zu machen und verlieren damit, wie durch anderen Extreminterpretationen auch, ihre Glaubwürdigkeit und Autorität in archäologischen Fragen. Ein hochrangiger Mitarbeiter des LDA Bayern sagte mir, dass selbst ein Schützenloch aus dem 2. Weltkrieg „unter bestimmten Umständen ein Bodendenkmal sein könnte“. Und das in einem Bundesland mit tausenden von nie untersuchten Burgställen…

Folglich steht der Privatsucher oft meist vor der Wahl entweder lächerliche Restriktionen hinnehmen zu müssen („kein Graben im Wald!“) oder aber ohne Genehmigung zu suchen und folglich einen weiteren Grund zu haben die Behörden im seltenen Fall eines relevanten Fundes zu meiden.

Insgesamt gesehen ist das Thema Suchgenehmigungen in der Praxis, abgesehen von spektakulären Einzelfällen, ziemlich unwichtig. Angesichts der oben geschilderten, vagen Gesetzeslage, dem geringen Anteil der Bodendenkmäler an der deutschen Gesamtfläche, des Verhaltens der Behörden, des geringen praktischen Wertes ihrer üblicherweise ausgestellten Genehmigungen, der menschlichen Natur und der allgemeinen Unbeliebtheit von Genehmigungen ist das auch kein Wunder. Viele Sondengänger sind eben der Meinung, dass sie keine brauchen, wenn sie nur an Orten suchen, wo sie ohnehin keinen Schaden anrichten. Und kommen damit auch meist durch.

Für den archäologischen Erkenntnisfortschritt hat das die nachteilige Folge, dass die Entdeckungen der Sondengänger der Forschung nicht bekannt werden. Darin besteht das Unangenehme der Situation, nicht darin, dass sich Sondengänger und Denkmalschutzbehörden gegenseitig etwas nerven (mehr ist es nicht). Wie so oft in der Sondengängerfrage ist der Endeffekt der Handlungen der Denkmalschutzbehörden ihrem Auftrag geradezu entgegenstehend.

Mit juristischem Zwang kann man einzelne Sondengänger schikanieren, die große Masse wird aber dadurch in ihrer Meinung bestärkt die Behörden zu meiden und ihre Funde nicht mal mehr im Internet zu zeigen, insbesondere in Schatzregalländern. Diese Situation wird sich erst ändern, wenn ein Sondengänger von einer Fundmeldung bei den Behörden in irgendeiner Form profitiert.

Im auffallenden Gegensatz zur praktischen Irrelevanz einer Suchgenehmigung steht die Intensität, mit der dieses Thema als regelrechter Dauerbrenner in den Internetforen der Sondengänger diskutiert wird. Das hat seine Gründe in dem Streben nach Rechtssicherheit angesichts vager Gesetze, insbesondere bei Anfängern, der typisch deutschen, in englischsprachigen Foren unbekannten Vorliebe für Probleme und Bedenken, sowie dem erkennbaren Streben von Foren, Vereinigungen und Einzelpersonen nach politisch korrektem Verhalten, d.h. dem Wohlwollen der Denkmalschutzbehörden. Mehr dazu im Artikel „Internetszene“ bzw. „Sondengängerorganisationen

Die ungenehmigte Suche auf einem Bodendenkmal ist in den meisten Bundesländern eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat.

Fundeigentum in Schatzregalländern

In Bundesländern mit Schatzregal (alle bis auf Bayern und NRW) gehen wissenschaftlich bzw. archäologisch bzw. geschichtlich bedeutende Funde im Augenblick der Entdeckung in das Eigentum des Bundeslandes über. Was wissenschaftlich bzw. archäologisch bzw. geschichtlich bedeutende Funde sind, entscheiden alleine die amtsarchäologischen Behörden. Erfahrungsgemäß kann das fast alles sein, wenn es den Behörden gerade in den Kram passt, selbst archäologisch bedeutungslose Funde. Siehe "Der Fall Sachsen".

Der Finder hat den Fund den Denkmalschutzbehörden zu melden, die ihn, sofern er für sie interessant ist, ersatzlos einziehen. Vermutlich muss man Amtsarchäologe sein um zu glauben, dass das in der Praxis funktioniert. Was für ein Gedanke: Lange Schlangen von Suchern vor den Ämtern, die ihre Funde den Beamten vor die Füße werfen wie Vercingetorix Cäsar sein Schwert in den Asterix Comics.

In der Realität sind diese Schlangen sehr kurz. So gut wie niemand tut dies [11]. Kaum geht das nun einige Jahrzehnte so, haben auch einige LDA begriffen, dass man sich besser versöhnlich zeigt. Auch in einigen Schatzregalländern belassen die Ämter den Suchern ihre heimische Sammlung, wenn sie denn nur gemeldet wird. (Zwangsläufig allerdings auch, wenn sie nicht gemeldet wird). Achtung: Oft verzichtet das Amt keineswegs auf den Eigentumsanspruch, sondern belässt die Sammlung nur physisch beim Besitzer. So schwebt stets das Damoklesschwert der Konfiszierung über den Suchern, die ihre Funde gemeldet haben. Eigentümer ist das Bundesland und das kann jederzeit die Herausgabe verlangen. Der meldende Sucher liefert sich auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen der Behörden aus.

Kommen wir nun zurück zu dem Umgang mit dem Ermessensspielraum. Gewisse LDAs nutzen ihren weiten Ermessensspielraum, um mit Hilfe des Schatzregals Sondengänger, die Funde im Internet zeigen, wegen Fundverheimlichung zu schikanieren und um des Showeffektes wegen "mal ordentlich dazwischenzuschlagen“. Da die Funde zwar historische Relikte aber nicht selten sind, aufgrund unbekannter Fundumstände keinen wissenschaftlichen Wert besitzen und nach der Konfiszierung bei den LDAs dann auch sofort im Magazin verschwinden, muss man das leider so bezeichnen.

Wie schon im Abschnitt "Eigentumsrecht" erwähnt: Für die Strafverfolgung bei Fundverheimlichung ist es notwendig den Geschädigten zu kennen, also das Bundesland in Schatzregalländern und den Grundeigentümer in den Nichtschatzregalländern. Ohne Geschädigten kein Kläger, ohne Kläger kein Richter. Weil in Schatzregalländern schon die Kenntnis des Bundeslandes ohne genaue Ortsangaben zur Strafverfolgung wegen Fundunterschlagung ausreicht und weil bei staatlichen Ausgrabungen gemachte Funde automatisch in Staatseigentum übergehen, ist das Schatzregal bei den Hardlinern unter den Archäologen trotz ausbleibender Fundmeldungen durch Privatsucher so beliebt. In einem Schatzregalland begeht ein nicht meldender Sondengänger gegen das Bundesland bzw. die Behörde eine Straftat (Fundunterschlagung), in Nichtschatzregalländern nur eine kaum zu ahndende Ordnungswidrigkeit (Unterlassung der Fundmeldung).

Die Finder der Himmelscheibe werden sich manchmal gewünscht haben, dass sie das Bundesland, in dem der Fund gemacht wurde, für sich behalten hätten. Damit haben sie selber die Grundlage für ihre spätere Strafverfolgung geschaffen. Übrigens ist es typisch, dass eine Fundunterschlagung erst einige Zeit -Monate oder Jahre - auffliegt, nachdem der Sucher den Fund veräußert hat. Die Strafverfolgungsbehörden verfolgen die Wiederverkäuferkette dann Schritt für Schritt bis zum Sucher zurück. Die Wiederverkäufer kooperieren in der Regel mit den Strafverfolgungsbehörden.

In der Praxis hat es für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens in Schatzregalländern wohl schon gereicht, wenn jemand Funde im Internet zeigt, der in einem Schatzregalland wohnt. Weil dann erstmal davon ausgegangen wurde, dass auch die Funde aus diesem Bundesland stammen. Schwammig, aber die Justiz hat sich dem Vernehmen nach darauf eingelassen.

Ermittlungsverfahren wegen Fundunterschlagung kommen in Deutschland kaum vor. In der Praxis trifft es nur einige ganz wenige Unglückliche unter den Sondengängern, vielleicht ein paar Dutzend Leute in ganz Deutschland in 5 Jahren. Das ist eine zwangsläufig sehr grobe Schätzung, denn offiziellen Statistiken gibt es nicht. In Relation zu mehreren zehntausend Sondengängern in Deutschland - wiederum nur eine sehr grobe Schätzung mangels statistischer Information - trifft es also so gut wie niemanden. Für den Sondengänger ist es statistisch wahrscheinlicher, auf der Fahrt zum Suchort in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden.

Die LDAs hängen diese geringe Zahlen übrigens nicht an die große Glocke, könnte man doch aus ihnen schließen, dass Sondengänger nicht so viel Unheil anrichten, wie gerne behauptet wird. Darauf angesprochen flüchten sie sich in den Hinweis auf die große Dunkelziffer. Tatsächlich weiß kein Mensch, und die LDAs erst recht nicht, in welchem Umfang genau Fundunterschlagungen stattfinden. Das liegt in der Natur der Sache. Man kann nur sagen, dass auch nach den Erfahrungen mit dem neuen, 1996 in England eingeführten Fundgesetz weitaus mehr gemeldet wird, wenn die Regelungen für den Sondengänger vorteilhaft sind. Keine große Überraschung.

Zurück zu den Ermittlungsverfahren wegen Fundunterschlagung: Für die wenigen davon Betroffenen bedeutet es Hausdurchsuchung, viel Stress, hinterher wird das Verfahren meist eingestellt, ggf. gegen Geldbuße. Für das Renommee des Betroffenen in der Szene ist so etwas übrigens gar nicht schlecht, eine Art Initiationsritus. Nachbarn, Familie, Kunden und Geschäftspartner sind eher weniger begeistert.

Aus Sicht des betroffenen LDA sieht die Bilanz der Maßnahme etwa so aus: Einen Sondengänger ordentlich geärgert, ein paar historische Allerweltsfunde für das Magazin gewonnen, das von solchen Funden ohnehin schon überquillt. Wissenschaftlich relevant sind nicht die Funde, sondern die Informationen, die sie repräsentieren. Bei geplünderten Sammlervitrinen sind die so gut wie nicht vorhanden, wenn man dem Vernehmen nach den betroffenen Sondengänger auch manchmal dazu bringen konnte, die bei ihm konfiszierten Funde nachzudokumentieren.

Man hat viele Leute aus der Szene aufgeschreckt, da die Sache über Internetforen sehr schnell bundesweit bekannt wird. Teilweise publiziert das LDA den Vorgang zur Abschreckung auch auf der eigenen Website, so die LDAs in Sachsen und - wegen ungenehmigter Suche auf einem BD, nicht wegen Fundunterschlagung - Schleswig-Holstein. Siehe Landesdenkmalsämter. Einige Interessenten für das Sondengängerhobby werden dadurch vielleicht sogar tatsächlich von der Suche abgehalten, beim großen Rest aber nur den Eindruck erweckt, dass man besser im Internet keine Funde mehr zeigt [10] und dass man mit dem lokalen LDA denkmalschützerische und archäologische Belange etwa so gut diskutieren kann wie religiöse Fragen mit den Taliban. Siehe dazu „Der Fall Sachsen“ .

De jure sind die Aussichten eines meldenden Sondengängers in Schatzregalländern nicht völlig leer auszugehen zusammengefasst eher schlecht. De facto mag es dort wie überall in Deutschland die Möglichkeit geben, das Wissen um die genauen Fundumstände in Verhandlungen mit dem LDA zu nutzen.

Urheberrecht

Der Zusammenhang zwischen Sondengängern und dem Urheberrecht ist sicher nicht unmittelbar ersichtlich. Tatsächlich wird er nur bei Funden relevant, die man als "verlorene Kunstwerke" bezeichnen kann. Dann jedoch kann er jedem Sondengänger etwas nutzen, ob er nun in einem Schatzregalland lebt oder nicht.

Wann ein Bodenfund ein schützenswertes Werk im Sinne des Urheberrechts ist, ist nicht genau definiert. Es muss zumindest die notwendige "Schaffenshöhe" haben. Bildliche und graphische Darstellungen sind schon mal eine gute Voraussetzung. Bronzebeile einer üblichen Form, und wenn es 200 sind, dürften sich dagegen kaum qualifizieren.

Die nachfolgenden Gedankengänge wurden noch nicht von einem Berufsjuristen überprüft. Falls das hier mal ein Jurist lesen sollte und juristisch-fachlich kommentieren möchte, so würde ich mich über eine Mail an die im Impressum angegebene Adresse freuen.

Ein Sondengänger ist nicht der Urheber seines Fundes, wie also kann er vom Urheberrecht profitieren? Das Verdienst, diese nachfolgend beschriebene Finesse herausgefunden zu haben, gebührt dem LDA Sachsen-Anhalt, das das Verfahren in Zusammenhang mit der Himmelsscheibe anwandte [12]. Verglichen mit anderen LDAs ist Sachsen-Anhalt wie eine Insel der Lebenstüchtigkeit im Ozean der archäologischen Fachdogmatik.

Das Urheberrecht gewährt unter dem Stichwort "Editio princeps" demjenigen 25 Jahre lang rechtlichen Schutz, der erstmals bisher unveröffentlichte Werke veröffentlicht. Diese Regelung wurde eingeführt, um denjenigen zu belohnen, der in Archiven fündig wird. Ob man es auch auf (Kunst)werke anwenden kann, die im Boden gefunden wurden, ist juristisch zwar nicht unumstritten, gegenwärtig sieht es jedoch so aus. Nach aktueller Rechtssprechung darf nur derjenige Bilder der Himmelscheibe veröffentlichen, der die Erlaubnis dafür vom LDA Sachsen-Anhalt erhalten, d.h. i.d.R. erkauft hat.

Meine Theorie: Hätten die Finder der Himmelscheibe als erste Bilder davon publiziert, z.B. mit kleinem Aufwand im Internet, so hätte ihnen dieses Recht zugestanden, auch wenn sie die Scheibe dann dem Amt gemeldet und übergeben hätten. Das Amt (und jeder andere) hätte den Findern jedes mal Lizenzgebühren zahlen müssen, wenn es ein Bild der Scheibe veröffentlichen wollte. Sie hätten die Erlaubnis auch Einzelnen verweigern können. Dieses Urheberrecht wäre für die Finder vermutlich lukrativer gewesen als der Verkauf an einen Händler und - vollkommen legal. Darauf muss man zugegebenermaßen erstmal kommen.

Fazit: Wer ein "verlorenes Kunstwerk" findet und es den Denkmalschutzbehörden melden will, sollte es zunächst publizieren um sich ggf. das Urheberrecht nach Editio princeps zu sichern. Dies freilich setzt wiederum das eigene Ausgraben mit eventuellen Befundstörungen voraus.

Moralische Würdigung
Wie im Fall der Konfiszierung der Himmelscheibe war das Verhalten des LDA Sachsen-Anhalt auch in der Frage der Bildrechte formaljuristisch korrekt, und wie bei der Himmelscheibe meiner Meinung nach moralisch gesehen fragwürdig. Dürfen die Bildrechte eines archäologischen Fundes von Weltgeltung monopolartig vermarktet werden? Diese Rechte setzt das LDA rigoros durch. Selbst als ein Bäcker in Nebra ein Backwerk mit dem Abbild der Himmelscheibe anbieten wollte, wurde ihm das untersagt. Noch nicht einmal Wikipedia, Inbegriff globaler Informationsfreiheit und der Kommerzfreiheit, zeigt Abbildungen der Himmelsscheibe, sondern nur stilisierte Zeichnungen.

Von naiver Seite wird von Sondengängern gerne gefordert, dass sie außergewöhnliche Funde ersatzlos an die staatlichen Stellen abzugeben hätten, egal wie viele Jahre sie danach suchen mussten. Denn solche Funde seien Allgemeingut. Das klingt ja auch sehr schön. Bei der Lektüre solche Sätze schmeckt der Jasmintee gleich nochmal so gut. Insbesondere für die, die mit dem sehr mühevollen Aufspüren des Fundes keinerlei Arbeit hatten. Ansprüche Außenstehender ohne eigenes Engagement lasten wie ein Fluch auf der gesamten Welt der Suche.

Gleichzeitig wird seitens der Amtsarchäologie oft das Bild das primär finanziell motivierten Sondengängers in dunkelsten Farben gemalt, während sie selber nach dem Wahren, Schönen und Guten strebt.

Das LDA Sachsen-Anhalt demonstriert nun, dass alle Menschen offenbar schlagartig aufhören Brüder zu sein, wenn man mit Artefaktinformationen in Form von -bildern ausnahmsweise auch mal Geld verdienen kann. Was mit keinem jemals in Deutschland von Berufsarchäologen gefundenem Artefakt auch nur annähernd so gut möglich war und ist, wie mit der von Sondengängern gefundenen Himmelsscheibe.

Beispiel Urheberrecht

Nachtrag 20.9.11

Das nachfolgend gezeigte Kunstwerk wurde vom Autor gefunden und erstveröffentlicht. Die Erstveröffentlichung erfolgte nachfolgend auf dieser Website am 20.9.2011. Folglich ist das Objekt urheberrechtlich geschützt und der Autor Inhaber der entsprechenden Rechte. Das bedeutet z.B.: Wer das Objekt irgendwo in natura antrifft und fotografiert, darf das Bild ohne Erlaubnis des Rechteinhabers nicht veröffentlichen. Genau wie bei einem Bild von Picasso oder eben der Himmelsscheibe.

Wissenschaftlich betrachtet ist diese urheberrechtliche Regelung eine Bürde. Die Kunde von neuen Funden sollte sich schnell und unbürokratisch verbreiten können, ohne jedesmal die Erlaubnis des Rechteinhabers einholen zu müssen, wenn man ein Bild zeigen will. (Was in der Praxis meist dazu führen wird, dass man lieber ganz auf die Abbildung verzichtet). Aber wenn selbst das an Doktoren reiche Landesdenkmalsamt Sachsen-Anhalt diese wissenschaftlichen Bedenken dem Erwerbstrieb unterordnet, dann dürfen das alle anderen erst recht, moralisch gesehen. Rechtlich sowieso.

Römische Venusstatuette Bronze.

Prinzipielles

Wie so häufig im Zusammenspiel zwischen der Amtsarchäologie und den Privatsuchern, ist es die Übertreibung seitens der Archäologen, die Konflikte verursacht, nicht die Grundgedanken des Denkmalschutzes oder der Wissenschaft.

Tatsächlich sind Sondengänger und Amtsarchäologen einander insofern ähnlich, als dass beide etwas finden und Geschichtsrätsel lösen wollen, wenn der typische Sondengänger auch kein wissenschaftlicher Typ ist.

In Bezug auf die Neugierde auf die Geschichte ist der Sondengänger vermutlich etwa so, wie der Denkmalschützer war als er jung war, damals, vor vielen Jahrzehnten, als er sein Archäologiestudium gerade aufgenommen hatte und noch keine Ahnung hatte, dass er später viel mehr in Aktenbergen als in Erdschichten graben würde.

Die meisten Sondengänger könnten akzeptieren, dass sie nicht überall suchen dürfen und vielleicht auch, dass sie Funde extremer Bedeutung nicht behalten dürfen und gegen angemessene Entschädigung abgeben müssen. Sie wären bereit, auf die Suche an einem Ort zu verzichten, wenn man Ihnen vernünftig und vor allem ganz konkret ohne Allgemeinplätze erklären könnte, warum ihre Suche dort einen konkreten (nicht dogmatischen) wissenschaftlichen Schaden verursacht. Ein konkreter Schaden wird angerichtet, wenn die obersten 20-30 cm (siehe Ortungstiefe) a) relevante Funde enthalten und b) tatsächlich von den Amtsarchäologen in absehbarer Zukunft untersucht werden. Beides zusammen ist fast nie der Fall.

Da die Behörden die Suche aber an sehr vielen Orten verbieten wollen (möglichst überall) und schon Allerweltsfunde für und nur für die Strafverfolgung als ‚wissenschaftlich wichtig’ einstufen und somit ihre Glaubwürdigkeit verlieren, kommt es zu keinem Konsens. Und das, was die Ämter ohne Konsens, mit Zwang und juristischer Einschüchterung erzielen können, ist nur ein winziger Bruchteil des Möglichen. Die Strafverfolgung hat sich weltweit als ein recht stumpfes Schwert erwiesen, auch in den Ländern, wo die Gesetze viel strenger als in Deutschland sind, wie z.B. in der Türkei. De jure mögen den Archäologen gewisse Möglichkeiten an die Hand gegeben sein, de facto sind die Privatsucher stärker.

Verstöße

Verstöße gegen das DSchG wie ungenehmigte Suche auf Bodendenkmälern sind, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen in den neuen Bundesländern, Ordnungswidrigkeiten und verjähren nach 5 Jahren. Zu der Bußgeldhöhe war wenig in Erfahrung zu bringen, weil Bußgeldbescheide eben so selten sind. Im Durchschnitt vielleicht einige hundert Euro.

Verstöße gegen Eigentumsrechte, also Fundverheimlichungen, sind Straftaten und verjähren nach 30 Jahren. Das bedeutet nicht, dass man die Sache behalten darf, wenn man es 30 Jahre geschafft hat den Mund zu halten, obwohl genau dies eine der grundlegenden Geschäftsprinzipien im internationalen Antikenhandel zu sein scheint. Es bedeutet, dass man danach zwar nicht mehr rechtlich belangt werden kann, dem Eigentümer aber immer noch den Fund (oder in Nichtschatzregalländern 50% davon) übergeben muss.

Mir ist nur ein Fall einer Fundverheimlichung bekannt, der zu einer gerichtlichen Verurteilung führte, nämlich die berühmte Himmelscheibe von Nebra. Hier wurde vom Gericht ungleich milder geurteilt als bei „richtigen“ Straftaten gegen das Eigentum wie Diebstahl oder Unterschlagung. Die Himmelscheibe stellt einen Millionenwert dar, die Finder erhielten Bewährungsstrafen. Generell lässt sich sagen, dass die Justiz den Extremauslegungen der Hobbyjuristen in den Denkmalschutzbehörden meist eine Abfuhr erteilt und sich deutlich sondengängerfreundlicher als diese verhält. Das gilt in allen Bereichen, z.B. der Überprüfung von allzu pauschal abgelehnten Suchgenehmigungen, von überhöhten Bußgeldern und von Ansprüchen des Suchers am Fundeigentum in Nichtschatzregalländern.

Rechtliche Möglichkeiten der Amtsarchäologie

Die Amtsarchäologen beurteilen Ihre rechtlichen Möglichkeiten selber realistischerweise als relativ gering, auch wenn im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit natürlich eifrig das Gegenteil behauptet wird. Nachfolgend einige Aussagen von Archäologen aus archäologischen Fachpublikationen zur Rechtslage in Bayern.

… schwache gesetzliche Ausgangslage“ [1]

„.. weiß er [gemeint ist der Sondengänger, Anmerkung des Verfassers] sich doch selbst im Falle seiner Ertappung keiner größeren Gefahr ausgesetzt. Selbst Geldbußen schrecken im allgemeinen nicht ab, liegt doch die Höhe im allgemeinen unter dem zu erwartenden Gewinn.“[2]

Das DSchG ist bisher nur anwendbar, wenn jemand „in flagranti“ ertappt wird.“[3]

Dass aus den mangelnden Möglichkeiten des Zwangs die Schlussfolgerung gezogen wird, die Zusammenarbeit zu suchen, habe ich nur an einer einzigen Stelle in der Literatur gefunden:

… müssen sich Wissenschaftler wohl damit begnügen, möglichst viele Metalldetektorenfunde von Privatsammlern registrieren zu lassen. Dazu gehört auch eine möglichst gute Zusammenarbeit mit denjenigen, die regelmäßig antike Metallfunde suchen. Dies hat den Vorteil, dass man wenigstens über wichtige neue Fundstellen in Kenntnis gesetzt wird; …“ [4]



Änderungsversuche

Sowohl weltweit als auch in Deutschland versuchen die Archäologen ständig, strengere Gesetze durchzusetzen. Das ist längst zur Routine geworden, die nicht weiter hinterfragt wird. Deshalb erscheint es wesentlich wahrscheinlicher, dass eine Verbesserung der Situation hin zu mehr öffentlich bekannten Funden eher gegen als mit den Archäologen durchsetzbar ist.

"Raubgräber"konferenzen - die letzte fand in Deutschland 2005 in Treis-Karden statt [14] - haben meist nur zwei Hauptpunkte auf der Tagesordnung. 1) Feststellen und wortreiches Beklagen der Tatsache, dass gesetzliche Restriktionen zumindest ineffizient, wenn nicht sogar kontraproduktiv sind. 2) Forderung nach noch strengeren Gesetzen. Archäologenlogik.

In England versuchte der Archäologenverband CBA seit dem 2. Weltkrieg nicht weniger als 11 Mal, strengere Gesetze durchzusetzen. Als Ende der 1980er Jahre eine archäologische Stätte von Privatpersonen abgesucht wurde - deren Strafverfolgung übrigens im Sande verlief - versuchten die englischen Archäologen es erneut. Statt strengerer Gesetze kam es jedoch - zum Entsetzen der Archäologen - zu liberaleren, zu der weltweit besten Einbeziehung der Sondengänger in den archäologischen Erkenntnisgewinn. Die Folge war, dass Ausnahmefunde nun sehr viel häufiger öffentlich bekannt wurden als vorher. Auch in Deutschland fürchtet mancher Archäologe, dass die Kontaktaufnahme mit dem Gesetzgeber zu liberaleren Gesetzen führen könnte.

In Deutschland ist die Lage bei der Landesgesetzgebung, z.B. den Denkmalschutzgesetzen, und der Bundesgesetzgebung, z.B. BGB, unterschiedlich.

Auf Bundeseebene sind alle Versuche der Archäologen in den letzten Jahren gescheitert, die Gesetzeslage zu verschärfen. Das gilt sowohl für die versuchte Einführung des Schatzregals in das BGB als auch für die angeregte Verschärfung der Exportbestimmungen. Beides wurde abgelehnt.

Auf Landesebene ist das Bild zwiespältig. Einige Bundesländer prüfen Veränderungsvorschläge kritischer als andere. Grundsätzlich sind auch die Archäologen nur eine Interessengruppe mit Lobbyisten, wenn sie auch mit der Macht des Fachgutachters ausgestattet sind. Auch ihre Vorschläge dürfen daher nicht ungeprüft Gesetzeskraft erhalten.

In Bayern wurde die Einführung des Schatzregals bereits zwei Mal abgelehnt. Beide Male aufgrund des Einspruchs der Grundeigentümer bzw. Bauernverbände. Siehe dazu auch den Abschnitt "Fazit für Strategie deutscher Sondengänger" im Artikel "Sondengänger in England".


Antiquiert wirkende Regelungen

Es gibt wohl keine anderen deutsche Gesetze, die so antiquierte Rechtsauffassungen zum Ausdruck bringen wie die deutschen Denkmalschutzgesetze. So sinnvoll der Grundgedanke dieser Gesetze auch ist, so sehr erinnern einzelne Paragraphen an vergangene Jahrhunderte. Das Schatzregal, d.h. Gefundenes gehört dem Bundesland, passt eher zur Lehnsherrenherrlichkeit des Mittelalters als zu einer westlichen Demokratie des 21. Jahrhunderts. Selbst die römischen Kaiser gewährten dem Finder 50% und in Pseudodemokratien wie Russland sind es immerhin noch 25%. Immerhin verzichten die heutigen Denkmalschutzbehörden auch in den Schatzregalländern auf primae noctis.

Hinweis: In England galt bis zu einer Gesetzesnovelle 1996 ein ebenso antiquiertes Recht, siehe "Historische Wurzeln" im Artikel "Sondengänger in England". Es stammte aus dem Mittelalter und war auf das Wohl der Staatsfinanzen, nicht der Forschung, ausgelegt. Die historischen Wurzeln des deutschen Schatzregals werden ähnlich beschaffen sein.

Manche Denkmalschutzgesetze machen das Graben unter bestimmten Bedingungen erlaubnispflichtig, andere das Suchen und wieder andere sogar schon das Nachforschen. Schon wenn Sie dort ein entsprechendes Buch lesen wollen, müssten Sie beim LDA theoretisch vorher um Erlaubnis bitten. So heißt es im §21 des hessischen Denkmalschutzgesetzes

Nachforschungen, insbesondere Grabungen mit dem Ziel, Bodendenkmäler zu entdecken, bedürfen der Genehmigung der obersten Denkmalschutzbehörde.

Vermutlich ist es lediglich die Sorge um das Seelenheil der Untertanen, die das hessische LDA dazu veranlasste. Wer weiß schließlich, was diese Bücher enthalten. Es könnten unreine, ja gefährliche Gedanken sein. Der Hexenhammer wurde immerhin nicht in das hessische DSchG aufgenommen, das mag genug Tribut an die modernen Zeiten seyn.


Nachtrag 20.1.09

Verbote und die Praxis

Rechtswirklichkeit

Nachtrag 20.1.09
Wie in vielen Bereichen des Lebens ist auch in der Praxis der Schatzsuche Rechtslage und Wirklichkeit nicht immer dasselbe. Fast überall auf der Welt und zu allen Zeiten, nicht nur im Deutschland von heute.

Wenn Sie sich auch für die Rechtswirklichkeit interessieren, so beachten Sie bitte auch das Kapitel "Fundeigentum - Recht, Moral und Wirklichkeit" im neuen Artikel "Schatzsucher", der sich sehr ausführlich mit dem Wesen dieser eigenartigen Spezies auseinandersetzt. Und Anmerkung [13] , die sich auf das Verhalten der deutschen Denkmalschutzbehörden bezieht, im Abschnitt "Quellen und Anmerkungen" des vorliegenden Artikels.



Zusammenfassung und Kommentar

Zusammenfassend lässt sich trotz allem sagen, dass die deutschen Gesetze meist nicht besonders streng sind. Die Strenge - und damit Lebensuntüchtigkeit - entsteht nur im Bereich der Denkmalschutzgesetze (Sucherlaubnisse sowie Fundeigentum in Schatzregalländern, siehe Schatzregal ) und dort meist auch nur durch die sehr einseitige Auslegung der vagen Gesetze durch die Denkmalschutzbehörden. Nur nach dem reinen Gesetzestext beurteilt sind auch die meisten Denkmalschutzgesetze nicht unangemessen streng.

Wenn sie trotzdem als unangemessen streng empfunden werden, dann weil der Gesetzgeber einer höchst parteiischen Personengruppe - auf deren Fachwissen er aber angewiesen ist - gestattet, Teil der Rechtspflege zu werden. Die Denkmalschutzbehörden greifen die restriktiven Teil des Gesetzes begeistert auf und ignorieren die liberalen Teile [13]. Man will verbieten. Hier wirkt es sich aus, dass das primäre Interesse der Denkmalschutzbehörden (keine Bodeneingriffe auf Bodendenkmälern; folglich ihre Nichterforschung) ganz anders ist als das der Bevölkerung (spektakuläre Funde und Erforschung; bedingen Bodeneingriffe). Näheres dazu im Artikel "Archäologie und Archäologen in Deutschland". Gesetze sollten sich aber an der Gesamtbevökerung orientieren, nicht an einer mikroskopisch kleinen Gruppe von Fachleuten.

Ausgewogenheit und das Belohnen von Engagement gehen so verloren. Beides ist für den gesamtgesellschaftlichen Nutzen jedoch unentbehrlich. Die Partikularinteressen einer einzelnen Gruppe stören das Gleichgewicht - in diesem Fall bis zur fast vollständigen Blockade. Tatsächlich ist die Angst der Bevölkerung (Sondengänger und Zufallsfinder) vor Wegnahme der Funde oder anderen Nachteilen so ausgeprägt und hat sich so tief in das kollektive Bewusstsein gefressen, dass sie selbst in Bundesländern ohne Schatzregal, wie Bayern, viele Meldungen verhindert. Das kann weder im Interesse der Allgemeinheit noch dem der Archäologie sein. Dasselbe gilt für Grundeigentümer, die Meldungen von z.B. bei Bauarbeiten entdeckten Gräbern aus Furcht vor Schikanen der Behörden unterlassen.

Exkurs: Das Problem besteht übrigens weltweit, insbesondere und viel, sehr viel stärker als in Deutschland auch in den klassischen "Archäologieländern" in Mittel- und Südamerika, der Levante sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Überall dort gelten Regelungen, die mit dem Schatzregal ohne Entschädigung vergleichbar sind. Ende des Exkurses und wieder zurück nach Deutschland.

Andererseits wäre es dadurch in einem ersten Schritt auch nicht unbedingt nötig, die deutschen Gesetze zu ändern, um das archäologische Entdeckungspotenzial der Bevölkerung besser zu nutzen. Es wäre schon etwas gewonnen, wenn übergeordnete Instanzen die Denkmalschutzbehörden anweisen würden, die vagen Gesetzesformulierungen zukünftig stärker im Sinne des Allgemeinwohls zu interpretieren. Das geschah bereits - im Hinblick auf Suchgenehmigungen, nicht auf Eigentumsregelungen - beim hessischen Mythos Urteil.

In der Praxis der Fundmeldung sind jedoch gerade die Eigentumsregelungen von größter Bedeutung Mit ihnen steht und fällt weltweit die Kooperationsbereitschaft der Bevölkerung und damit die Lebensfähigkeit archäologischer Gesetze. Der endgültige Durchbruch wird hier erst durch eine verbindliche Belohnungsregelung für den meldenden Finder gewährleistet werden, die Teil des Gesetzestextes sein muss, weil die Bürger es sonst nicht glauben. Also nicht mehr nur das vage Inaussichtstellen einer "angemessenen Entschädigung" wie z.B. im Denkmalschutzgesetz Schleswig-Holsteins (die sich dann vielleicht als Sachbuch entpuppt, April April !) , sondern eine garantierte finanzielle Entschädigung in Höhe von 50% oder mehr des Verkehrswertes des Fundes, und zwar innerhalb von Jahresfrist. Die wenigen funktionierenden Gesetzgebungen auf der Welt (z.B. in England) weisen dieses Merkmal allesamt auf. Tatsächlich kann der Gesetzgeber über die Wahl des Eigentumsanspruches des Finders die Meldequote weitgehend beeinflussen. Details siehe Abschnitt "Abgabequote vs. Meldequote" im Artikel "Schatzsucher".

Letztendlich muss sich jedes Land nüchtern fragen, wieviel Geld ihm seine historischen Bodenschätze wert sind. Wie sehr es den Finder belohnen will, nicht ob. Genau so, wie es bei mineralischen Bodenschätzen wie Gold oder edlen Steinen schon immer üblich war und ist.

In der archäologischen Fachwelt herrscht jedoch die Haltung "Es gibt keine Belohnung, weil Artefakte ohnehin nicht mit Geld zu bezahlen sind und weil wir nicht wollen, dass außer uns jemand nach ihnen sucht. Wir nehmen sie dem Finder einfach ersatzlos weg. Schont auch die Staatskasse.". Man nutzt seinen politischen Einfluss um den Gesetzgeber entsprechend zu beeinflussen. Solche Abzockgesetze werden aber von der Bevölkerung nicht angenommen. Nicht vom Zufallsfinder, nicht vom Sucher, nicht vom Grundeigentümer, nicht vom Sammler. Nirgends. Zu keiner Zeit. Nach allen Statistiken. Sie widersprechen zu sehr dem Wesen des Menschen, der von einem besonderen Fund einen Vorteil erwartet.

Abweichend von der in jedem Auktionskatalog nachlesbaren Lebensrealität herrscht in Archäologenkreisen immer noch die Vorstellung, dass alle historischen Bodenfunde prinzipiell jenseits der Welt des "schmutzigen" Geldes liegen; dass es an ihnen kein Privateigentum geben dürfe; dass sie vielmehr als einzige Güter in unserem Rechtssystem eine Art Volkseigentum kommunistischer Prägung seien, das von den Archäologen exklusiv verwaltet werden darf und muss. Unabhängig davon, von wem sie gefunden wurden oder ob sie noch unentdeckt im Boden liegen. Keine andere Wissenschaft erhebt solche Eigentumsansprüche. Ansprüche, die in der Bevölkerung schlicht keine Akzeptanz finden. Die historischen Ursachen dafür sind im Artikel "Weltweite historische Entwicklung der Archäologie" beschrieben.

Die Eigentumsfrage ist eingebettet in den umfassenderen Problemkreis, wonach die Bevölkerung von den Archäologen primär als Schädling angesehen wird. Und das, obwohl sie - theoretisch - der Souverän der Staates ist und - ganz praktisch - archäologische Stätten meist vor den Archäologen findet. Mit der Bevölkerung hat sich die Archäologie weltweit selbst ihres wichtigsten Verbündeten beraubt. (Zur Selbstisolation der deutschen Archäologen innerhalb der Bevölkerung siehe Absatz "Gesellschaftliche Situation" im Beitrag "Archäologie und Archäologen in Deutschland").

Im Elfenbeinturm der Archäologen pflegt man zahlreiche Dogmen, allen jahrzehntelangen Beobachtungen ihrer Funtionsunfähigkeit zum Trotz. Sie alle leisten ihren Beitrag zur Verheimlichung von Funden und Entdeckungen durch die Bevölkerung. Sie alle schaden der Archäologie in dem einen oder anderem Sinne. Die Haltung der Archäologen zum Fundeigentum jedoch hat weltweit mehr zur Fundverheimlichung beigetragen, als jeder andere von ihnen verzapfte Unfug.




Quellen und Anmerkungen

[1] Stefan Winghart: Archäologische Denkmalpflege, Sondengänger und Kunsthandel, S.55, in: Museumskunde Bd. 67/2002 Heft 1 Thema Rechtsschutz und Kulturgut

[2] ebd.

[3] Michael Rind, Kritische Anmerkungen zum Schutz archäologischer Denkmäler am Beispiel des Landkreises Kehlheim, Seite 25. In: Vorträge des 15. Niederbayerischen Archäologentages, 1997

[4]ebd. , Seite 27

[5] Deutsches Schatzsucher Magazin Ausg. 3 1/2004, Seite 47

[6] Meine Website "Sondengänger", Abschnitt Schusswaffen 2. Weltkrieg, zeigt - ganz unten auf der verlinkten Seite - verschiedene Bescheinigungen, die man je nach der gewählten Form der Fundlegalisierung in Deutschland erhält.

[7] Es gibt dem Vernehmen nach zwar tatsächlich Regionen in Deutschland, in denen die Detektorsuche flächendeckend verboten ist. Diese liegen in ehemaligen Kampfgebieten des 2. Weltkrieges, z.B. in Brandenburg. Das Verbot hat jedoch nichts mit Denkmalschutz zu tun, sondern zielt darauf, das Ausgraben von Munition zu verhindern, weil bei Entschärfungsversuchen bereits viel Unheil geschehen ist. Ähnliche Verbotszonen gibt es auch in Frankreich auf dem Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges.

[8] Ein ebenfalls für seine Kreativität (szene)bekannter Luxemburger Archäologe (siehe "Internetszene"), übrigens relativ sehr sondengängerfreundlich, verkündete in einem Sondengängerforum gar seine Rechtsauffassung, wonach „das Suchen ohne Genehmigung des Grundstückseigentümers versuchter Diebstahl“ sei. Diese Rechtsauffassung ist haltlos, wenn sie überhaupt ernst gemeint war.

[9] Der einzige hochrangige Archäologe, der das in Genehmigungsdiskussionen nicht mit mir probiert hat, und den ich hier deswegen ausdrücklich als Zierde seiner Zunft erwähnen will, ist Dr. Stefan Winghart, ab 2003 Leiter der Baudenkmalpflege des LDA Thüringen, davor BLFD, danach Präsident des niedersächsischen Amtes für Denkmalpflege.

[10] Das Gros der im Internet gezeigten Sondengängerfunde ist belanglos und war es immer. Spitzenfunde jedoch wurden im letzten Jahrzehnt tendenziell immer weniger gezeigt. Als Folge des Falls Sachsen gingen in den letzten Jahren immer mehr Sondengänger aus den Schatzregalländern, insbesondere den neuen Bundesländern, dazu über, überhaupt keine Funde mehr im Internet zu zeigen. Das gilt insbesondere für erfahrene Sondengänger. Damit hat sich Amtsarchäologie selber um einen der letzten Informationskanäle zu den Suchern gebracht, die die Ämter meiden.

[11] Aufschlussreich ist ein Vergleich der gemeldeten antiken Münzfunde zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Beides benachbarte Flächenstaaten, ähnliche Größe, ähnliche Historie. Während in Bayern (kein Schatzregal) Tausende von Münzen gemeldet wurden, waren es in Baden-Württemberg (Schatzregal) im gleichen Zeitraum nur eine Handvoll.

[12] Siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe#Urheber-_und_Markenrecht

[13]
Zu der restriktiven Interpretation der Gesetzeslage durch die Behörden.
Das bayerische Denkmalschutzgesetz BayDSchG gehört zu einer Minderheit, vielleicht ist es sogar bundesweit einzigartig, das bei der Definition des so grundlegenden Begriffes "Bodendenkmal" nicht nur willkürliche, subjektive Bewertungen anführt ("...deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt." lt. DSchG Schleswig-Holstein), sondern zumindest ein halbwegs objektives Kriterium angibt ("...die in der Regel aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit sind").

Die Altersgrenze läge demnach in der üblichen Auslegung des Begriffs "Frühgeschichte" um Christi Geburt. Selbst bei einer sehr weiten und somit restriktiven Auslegung liegt sie etwa beim 8. Jhd. Demnach dürften Burgställe, die meist auf das 12. bis 14. Jhd. datieren, nur in Ausnahmefällen unter Denkmalschutz stehen. Dennoch sind sie in der Regel geschützt. Selbst Befestigungen aus dem 30 jährigen Krieg gelten teilweise als Denkmäler.

Ein weiteres Beispiel für die Kreativität der bayerischen Denkmalschutzbehörde beim Interpretieren von Gesetzestexten ist die seit 2002 bis heute (2010) praktizierte pauschale Ablehnung von Suchgenehmigungen für Sondengänger. In ihrer Pauschalität ist sie ohne gesetzliche Grundlage. (Details siehe Beitrag "Landesdenkmalämter".) Die deutsche Archäologie wäre erheblich weiter, wenn die Behörden beim Erforschen nur annähernd soviel Engagement zeigen würden wie beim Verbieten.

Ein weiteres Beispiel für das Ignorieren liberaler Gesetzesteile durch die Behörden: Das nur sehr zeitverzögert und unvollständige Offenlegen der offiziellen Denkmalliste in Bayern. Jeder Bürger hat nach dem bayerischen Denkmalschutzgesetz Anrecht auf Einsichtnahme. Das wollen die Behörden nicht, da diese Liste ihrer Befürchtung nach als "Wegweiser für Schatzsucher" dienen könnte. Dabei sind die meisten Flächen auch woanders publiziert. Früher (vor 2002) wurde bei Fragen nach dieser Liste vom Amt auf Fachliteratur verwiesen, die, so ein Pech, teuer und für den Laien nur schwer erhältlich ist. Mittlerweile wurde die Lage der Denkmäler im Internet publiziert, aber immer begleitet von dem Hinweis, dass auch dort nicht aufgeführte Flächen Bodendenkmäler sein können. Man will die Rechtsunsicherheit unbedingt erhalten.

Das deutschlandweit wohl wichtigste Beispiel für das Ignorieren liberaler Gesetzesbestandteile betrifft das Schatzregal. In vielen Schatzregalländern gibt es, wenn auch als unverbindliche Kann-Bestimmung, die Möglichkeit, dem meldenden Finder eine Belohnung zu zahlen. Der Gesetzgeber war sich offenbar bewusst, wie verheerend sich eine ersatzlose Konfiszierung auf die Meldebereitschaft der Bevölkerung auswirkt, und er wollte der Bevölkerung entgegenkommen. Da die Denkmalschutzbehörden keine Belohnung wollen ("Wir unterstützen doch keine Schatzsucher!") und das Gesetz sie nicht zwingend vorschreibt, kommt eine solche Belohnung in nennenswerter Höhe in der Praxis so gut wie nicht vor. Ein Beispiel dafür, wie die Gesetzeslage, die "unten beim Bürger" ankommt, eine restriktivere ist als die, die der Gesetzgeber vorgesehen hat, wenn die Denkmalschutzbehörden dazwischen stehen.

Letztlich zeigen diese Beispiele, dass sich selbst Behörden nur verzögernd und widerwillig durch Gesetze zu etwas zwingen lassen, was sie leidenschaftlich ablehnen. Eine der wenigen Gemeinsamkeiten von Denkmalschutzbehörden und Sondengängern.

[14] Beiträge und Teile der anschließenden Forumsdiskussion dieser Konferenz wurden veröffentlicht in: Archäologisches Korrespondenzblatt Bd. 11, 2/2006.

Nachtrag 20.9.11

Absatz Beispiel Urheberrecht hinzugefügt.

Nachtrag 16.10.10

Text um einige Details und den Abschnitt "Änderungsversuche" erweitert.

Nachtrag 15.3.10

Hinweis auf die historischen fiskalischen Ursprünge des englischen, bis 1996 gültigen, Treasure Trove Gesetzes hinzugefügt, das mit dem deutschen Schatzregal vergleichbar war.

Nachtrag 20.2.10

Einige kleine Änderungen und Erweiterungen, z.B. Anmerkung [13].

Nachtrag 10.2.10

Abschnitt "Zusammenfassung" erweitert und umbenannt in "Zusammenfassung und Kommentar". Anmerkung [13] hinzugefügt.

Nachtrag 29.1.10

Zusammenfassung hinzugefügt.

Nachtrag 13.10.09

Personalie Dr. Winghart in Anmerkung [9] aktualisiert.

(C) Thorsten Straub, www.sondengaenger-deutschland.de